Auf feierliches Ritual wurde bewusst verzichtet, Sekt und Butterbrezeln
zierten einen Rahmen der Bescheidenheit. Gleichwohl der Anlass ein
bedeutsamer war: Am Montag wurde das neu installierte Computerzentrum der
Institute für Übersetzen und Dolmetschen (IÜD) sowie Deutsch als
Fremdsprachenphilologie (IDF) offiziell der Benutzung übergeben.

Dass Computer und Philologie nicht zusammengehen sollen, ist ein
längst überholter Anachronismus: "Die Fähigkeit mit dem
Personalcomputer umzugehen", führte der stellvertretende
IÜD - Direktor, Professor Willi Birkenmaier, in seinen einleitenden Worten
aus, "ist die wichtigste Voraussetzung, um im Bereich des Übersetzens zu
arbeiten. Dafür schaffen wir hier die Voraussetzungen!" In der Tat:
Achtzehn Terminals, zwei Nadel- und ein Laserdrucker (ein zweiter folgt in
Kürze) sowie mehrere Zusatzgeräte, über welche der im IÜD
untergebrachte Computerpool ans Universitätsrechenzentrum und über
dieses wiederum ans internationale Kommunikationsnetz angeschlossen ist, stehen
fortan den Studenten der beiden Institute zur Verfügung. "Der weltweite
Zugang zu den Datenbanken ist der größte Vorteil der Vernetzung",
freute sich Birkenmaier übers (Computer-) Tor zur Welt.
Neben diesem Globalaspekt bringt die High-Tech Anlage vor allem den Studenten
bessere Berufsaussichten. Das vorrangige Ziel der Einrichtung besteht darin,
eine gründliche Einführung in Textverarbeitungsprogramme und
Computerlinguistik zu ermöglichen. Des weiteren wird der Forderung der
Wirtschaft nach praxisnahen Kenntnissen über Terminologiedatenbanken und
Übersetzungssystemen entgegengekommen. Insofern bezeichnete Helmuth
Sagawe, Leiter des Computerzentrums, die Lehre denn auch als "Hauptaufgabe" der
Einrichtung, neben der Unterstützung der Forschung. Ob Projekte in Sachen
Fremdsprachenforschung und Lexik, ob Einbeziehung von künstlicher
Intelligenz in den Übersetzungsprozess - das technische Outfit ist
vorhanden.
Aber nicht nur angehende, auch bereits berufstätige Übersetzer und
Dolmetscher sollen aus der rund 250 000 DM teuren Anlage Profit ziehen:
"Weiterbildungskurse für diplomierte Übersetzer sind geplant",
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erweiterte Sagawe den Benutzerradius. In diesen Sonderschichten sollen vor
allem "Schwellenängste" der wörterbuchgewöhnten Philologen vor
dem Terminal abgebaut sowie gezielte Informationen zur Anschaffung von Hard-
und Software vermittelt werden.
Sonderschichten musste auch der selbst einlegen, um das Computerzentrum
aufzubauen. Vor fünfeinhalb Jahren führte er im diesbezüglich
noch jungfräulichen IÜD die EDV ein, mit einem zweistündigen
Lehrauftrag. Fünf Personalcomputer reichten zwar für den Anfang, mit
zunehmendem Interesse und Veranstaltungen mit bis hundertfünfzig Studenten
jedoch hieß es, für die praktischen Übugen am Bildschirm aufs
Universitätsrechenzentrum auszuweichen. Aber auch hier drängelten
sich "drei, vier, fünf Leute vor einen Terminal. Das waren keine idealen
Zustände!", erläuterte Sagawe rückblickend die EDV-Pionierzeit.
Und zumal der dortige Großrechner den Bedürfnissen der
Übersetzer für ihr späteres Berufsdasein nicht hundertprozentig
gerecht ward, lag der Gedanke an einen institutseigenen Computerpool mehr als
nahe. Stuttgart gewährte die nötigen Finanzmittel, und nach
ausgiebigen Recherchen bei verschiedenen Firmen erhielt die Mannheimer
Folprecht Computer und Communication GmbH den Zuschlag, das High-Tech Arsenal
zu installieren und zu vernetzen.

"Das, was wir jetzt haben, wäre nicht, wenn Helmuth Sagawe nicht da gewesen
wäre. Manchmal schien die Situation aussichtslos, aber dennoch hat er
weitergemacht", lobte Willi Birkenmaier den engagierten Einsatz des
Zentrumsleiters, der in seiner Aufgabe von vier wissenschaftlichen
Hilfskräften unterstützt wird. Um die Möglichkeiten aufzuzeigen,
über die das IÜD von nun an verfügt, demonstrierten diese und
andere Studenten exemplarisch einige Programme: Multilinguale
Textverarbeitungsprogramme, spezielle Übersetzer-Software zur Einbindung
von Wörterbüchern und Glossardaten und Textanalyseprogrammen machten
klar, dass IÜD und IDF auf den Zug der Zeit aufgesprungen sind. (W. G.)
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